«Investieren Sie frühzeitig in die Entwicklung Ihrer Talente.» - Fünf Fragen an Barbara Stucki

Die Referentinnen und Referenten der HDW Academy bringen nicht nur Fachwissen mit, sondern auch spannende Geschichten, Perspektiven und ganz persönliche Antriebe.

Unsere Referentinnen und Referenten bringen nicht nur Fachwissen mit, sondern auch spannende Geschichten, Perspektiven und ganz persönliche Antriebe. Gerade für KMU ist es wertvoll, hinter die Kulissen zu blicken und zu verstehen, welche Erfahrungen und Überzeugungen die Expertinnen und Experten prägen.

Deshalb stellen wir ihnen fünf Fragen: zu ihrem Werdegang, ihrer Motivation und dazu, warum ihr Thema gerade für kleine und mittlere Unternehmen so relevant ist – inklusive konkreter Impulse für den Alltag.

Heute beantwortet Barbara Stucki unsere Fragen. Sie leitet die Kurse "Führen im Change: In Veränderungen kompetent führen" und "Future Women" bei der HDW Academy.

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Wenn du dich in drei Wörtern Beschreiben müsstest, welche wäre das?

Engagiert, Empathisch , Zielorientiert

 

Wie sah dein beruflicher Weg aus und welche Erfahrungen haben dich besonders geprägt?

Nach meiner medizinischen Grundausbildung erweiterte ich mein Wissen kontinuierlich und absolvierte unter anderem eine Weiterbildung zur Marketingplanerin. Schon früh interessierte mich neben fachlichen Themen insbesondere die Frage, wie Menschen erfolgreich zusammenarbeiten und ihr Potenzial entfalten können. 2004 wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit und sammelte in verschiedenen internationalen Medizinunternehmen wertvolle Erfahrungen in Marketing, Verkauf und Beratung. Mein wachsendes Interesse an persönlicher Entwicklung, Führung und Veränderungsprozessen führte mich zu Weiterbildungen in Coaching, Supervision und Organisationsentwicklung. 2018 schloss ich den Master of Advanced Studies (MAS) an der FHNW ab. Anschliessend absolvierte ich die Ausbildung zur eidgenössisch diplomierten Mediatorin mit Schwerpunkt Organisations- und Wirtschaftsmediation sowie ein weiteres CAS in Resilienz-, Stress- und Ressourcenmanagement. Die Verbindung von wirtschaftlichem Denken, menschlicher Entwicklung und lösungsorientiertem Handeln steht heute im Zentrum meiner Arbeit. Besonders motivieren mich die Begegnungen mit Menschen und die Möglichkeit, sie dabei zu unterstützen, ihre Potenziale zu entfalten, Herausforderungen erfolgreich zu meistern und nachhaltige Veränderungen zu gestalten.

 

Was treibt dich in deinem Fachgebiet besonders an und warum ist dieses Thema aktuell besonders relevant für KMU?

Ich begleite seit Jahren Führungspersonen und speziell seit über sechs Jahren weibliche Führungsfrauen in verschiedenen Unternehmen. Gerade für KMU ist dieses Thema hochaktuell. Unternehmen stehen heute vor vielfältigen Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung, Generationenwechsel und zunehmender Veränderungsdynamik. Erfolgreiche Führung erfordert deshalb nicht nur fachliches Wissen, sondern auch Kommunikationsstärke, Empathie, Veränderungskompetenz und die Fähigkeit, Menschen zu motivieren und einzubinden. Viele dieser Kompetenzen werden häufig mit einem modernen, kooperativen Führungsverständnis in Verbindung gebracht. KMU können es sich zunehmend nicht leisten, auf das Potenzial qualifizierter Frauen zu verzichten. Diverse Führungsteams fördern unterschiedliche Perspektiven, stärken die Innovationskraft und unterstützen fundierte Entscheidungen. Gleichzeitig erwarten jüngere Generationen eine Unternehmenskultur, die Vielfalt, Chancengleichheit und moderne Führungsmodelle aktiv lebt. Deshalb ist die Förderung von Frauen in Führungspositionen nicht nur eine Frage der Gleichstellung, sondern auch ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Zukunftsfähigkeit von KMU. Mein Antrieb ist es, Frauen auf diesem Weg zu begleiten, ihre Kompetenzen weiterzuentwickeln und Netzwerke zu schaffen, in denen sie voneinander lernen, sich gegenseitig stärken und gemeinsam wachsen können.

 

Vor welchen typischen Herausforderungen stehen KMU in diesem Bereich und was wird oft unterschätzt?

Viele KMU stehen vor der Herausforderung, das vorhandene Potenzial ihrer weiblichen Fach- und Führungskräfte gezielt zu erkennen und zu fördern. Obwohl Diversität und Chancengleichheit in vielen Unternehmen als wichtige Werte gelten, fehlen im Alltag oft die notwendigen Strukturen, Netzwerke oder Entwicklungsangebote, um Frauen auf ihrem Weg in Führungspositionen wirksam zu unterstützen. Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass Frauen in KMU häufig mehrere Rollen gleichzeitig wahrnehmen und neben dem Tagesgeschäft wenig Raum für die bewusste Reflexion ihrer Führungsrolle oder die strategische Planung ihrer Laufbahn bleibt. Insbesondere in kleineren Unternehmen fehlen zudem oft weibliche Vorbilder oder Möglichkeiten zum bereichsübergreifenden Austausch. Unterschätzt wird häufig die Bedeutung von Netzwerken, Sichtbarkeit und Selbstpositionierung. Oft fehlt die Fähigkeit, die eigenen Stärken sichtbar zu machen, sich wirkungsvoll einzubringen, Entscheidungen mitzugestalten und ein professionelles Netzwerk aufzubauen. Genau hier setzt Future Women an. Das Programm bietet einen vertrauensvollen und konkurrenzfreien Rahmen, in dem Frauen voneinander lernen, Erfahrungen austauschen und ihre Führungskompetenzen weiterentwickeln können. Durch die Kombination von fachlichem Input, Reflexion und Peer-Learning werden die Teilnehmerinnen gestärkt, ihre Rolle selbstbewusst wahrzunehmen, Veränderungen aktiv mitzugestalten und ihren weiteren Karriereweg bewusst zu gestalten. Für KMU bedeutet dies einen konkreten Mehrwert: Sie fördern nicht nur die Entwicklung ihrer weiblichen Talente, sondern stärken gleichzeitig ihre Führungskultur, Innovationsfähigkeit und Attraktivität als Arbeitgeberin.

 

Welche konkrete Empfehlung oder „Quick Win“ würdest du einem KMU mitgeben, das sich mit diesem Thema beschäftigt?

Ein einfacher und gleichzeitig wirkungsvoller Schritt für KMU ist es, gezielt Räume für Vernetzung, Austausch und persönliche Entwicklung zu schaffen. Oft sind die Potenziale bereits im Unternehmen vorhanden, werden jedoch nicht ausreichend sichtbar oder systematisch gefördert. Ein konkreter Quick Win besteht darin, talentierte Mitarbeiterinnen frühzeitig zu identifizieren und sie in ihre Entwicklung zu unterstützen. Der bereichsübergreifende Austausch mit anderen Frauen, die Reflexion der eigenen Führungsrolle sowie das Lernen von unterschiedlichen Erfahrungen stärken nicht nur die einzelnen Teilnehmerinnen, sondern wirken sich auch positiv auf die gesamte Unternehmenskultur aus. Oft wird unterschätzt, wie stark sich das Selbstvertrauen, die Sichtbarkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, durch ein unterstützendes Netzwerk entwickeln können. Bereits eine einzige Teilnehmerin kann neue Impulse, Perspektiven und Führungsansätze ins Unternehmen zurückbringen und damit Veränderungen anstossen. Mein Rat an KMU: Warten Sie nicht, bis eine Führungsposition frei wird. Investieren Sie frühzeitig in die Entwicklung Ihrer Talente. Das stärkt die Mitarbeiterbindung, erweitert den internen Talentpool und schafft die Grundlage für eine vielfältige und zukunftsorientierte Führungskultur.

Zur Person

Barbara Stucki ist seit vielen Jahren als Prozessbegleiterin und Coach tätig. Sie arbeitet als Resilienzberaterin, Supervisorin und Mediatorin für Einzelpersonen, Führungspersonen und Teams. Sie ist Mitglied des «Change Eye»-Teams (Das «Change Eye» ist ein Tool, das den Fortschritt von Veränderungsprozessen messbar macht) und berät Organisationen in Veränderungsprozessen.

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