«Zentral ist die Klarheit über die eigenen Ziele» - Fünf Fragen an Kevin Lang
«Zentral ist die Klarheit über die eigenen Ziele» - Fünf Fragen an Kevin Lang
Fotocredit: (C) WorklowAnalytica / Christian Schneider
Wenn du dich in drei Wörtern Beschreiben müsstest, welche wäre das?
Analytisch, logisch, pragmatisch
Wie sah dein beruflicher Weg aus und welche Erfahrungen haben dich besonders geprägt?
Mein beruflicher Weg begann mit einer Lehre als Elektroniker. Bereits in der Schule haben mich logische Zusammenhänge stark interessiert, was sich insbesondere in meinen Leistungen in Mathematik und Physik widerspiegelte. Diese Fähigkeit zum logischen Denken und Analysieren konnte ich während meiner Ausbildung weiter vertiefen.
Da mich digitale Technologien mehr faszinierten als die analoge Welt, entschied ich mich für eine Weiterbildung an einer Höheren Fachschule in Informatik mit Schwerpunkt Softwareentwicklung. Dort konnte ich meine analytischen Fähigkeiten gezielt im Programmieren einsetzen und ausbauen.
Im Anschluss erfolgte der Wechsel ins Projektmanagement, wo ich mich unter anderem mit IPMA Level D zertifizieren liess. In dieser Phase standen vor allem organisatorische und koordinative Fähigkeiten im Vordergrund, während meine analytisch-logischen Stärken weniger zum Einsatz kamen.
Mit der Spezialisierung im Prozessmanagement (CAS FHNW) fand ich die ideale Kombination: Ich konnte sowohl meine organisatorischen Fähigkeiten aus dem Projektmanagement als auch mein analytisches Denken wieder vereinen, indem ich Prozesse strukturierte, analysierte und optimierte.
Das CAS in Requirements Engineering hat meine analytischen Kompetenzen weiter geschärft, insbesondere im strukturierten Erfassen und Verstehen von Anforderungen. Darauf aufbauend absolvierte ich das DAS Business Analyst, wodurch ich meine Fähigkeiten ganzheitlich weiterentwickeln konnte.
Heute verbinde ich analytisches Denken, strukturiertes Vorgehen und organisatorische Kompetenz in meiner Rolle als Business Analyst.
Was treibt dich in deinem Fachgebiet besonders an und warum ist dieses Thema aktuell besonders relevant für KMU?
Mich treibt vor allem die Frage an, warum Dinge so gemacht werden, wie sie gemacht werden – und wie man sie effizienter gestalten kann. Dafür ist es entscheidend, den aktuellen Zustand genau zu verstehen: Einerseits den konkreten Prozess, andererseits aber auch das gesamte Umfeld, in dem dieser eingebettet ist.
Ebenso zentral ist die Klarheit über die eigenen Ziele. Erst wenn diese definiert sind, kann ein fundiertes Konzept erarbeitet werden, das aufzeigt, welche Methoden und Systeme am besten geeignet sind, um diese Ziele effizient zu erreichen.
Diese strukturierte und analytische Herangehensweise führt dazu, dass Projekte deutlich seltener scheitern, schneller umgesetzt werden können und die eingesetzten Ressourcen einen höheren Nutzen bringen.
Gerade für KMU ist dieses Thema besonders relevant, da sie häufig unter starkem Druck von Grossunternehmen stehen und ihre Ressourcen gezielt einsetzen müssen. Effizienz, Klarheit und ein gutes Prozessverständnis sind hier entscheidende Erfolgsfaktoren.
Mein Antrieb ist es, KMU genau dabei zu unterstützen und mein Wissen sowie meine Erfahrungen gezielt einzubringen.
Vor welchen typischen Herausforderungen stehen KMU in diesem Bereich und was wird oft unterschätzt?
KMU stehen häufig unter hohem Zeit- und Kostendruck. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden, während gleichzeitig nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung stehen. Diese Situation führt in der Praxis oft dazu, dass Lösungen vorschnell umgesetzt werden.
Eine typische Herausforderung ist, dass Entscheidungen nicht ausreichend fundiert getroffen werden. Beispielsweise wird Software eingeführt, ohne diese sauber auf die eigenen Bedürfnisse und Prozesse abzustimmen. Gleichzeitig werden bestehende Abläufe selten kritisch hinterfragt, obwohl sie teilweise seit Jahren unverändert bestehen.
Der hohe Alltagsdruck führt dazu, dass eher schnell gehandelt als strukturiert analysiert wird. Genau das wird jedoch oft unterschätzt: Ohne ein klares Verständnis der Prozesse, Ziele und Rahmenbedingungen entstehen häufig ineffiziente Lösungen.
Das Resultat ist paradox – statt Ressourcen einzusparen, werden in vielen Fällen sogar mehr Zeit, Geld und Aufwand benötigt, um entstandene Probleme später wieder zu korrigieren.
Welche konkrete Empfehlung oder „Quick Win“ würdest du einem KMU mitgeben, das sich mit diesem Thema beschäftigt?
Ein konkreter Quick Win ist, sich bewusst ein etwas mehr Zeit zu nehmen, um bestehende Prozesse einfach und strukturiert aufzunehmen – bevor man grosse Veränderungen durchführt oder neue Tools einführt.
Wichtig dabei: Es geht nicht darum, ein komplettes Prozessmanagement aufzusetzen oder alles zu dokumentieren. Oft reicht es schon, den Ablauf einmal sauber durchzugehen, die beteiligten Personen einzubeziehen und gezielt zu hinterfragen, wo es heute unnötige Schleifen, Medienbrüche oder Unklarheiten gibt.
Dieser überschaubare Mehraufwand wird häufig unterschätzt. Doch diese geringe zusätzliche Zeit spart in der Praxis schnell ein Vielfaches an Zeit ein, die später durch ineffiziente Lösungen oder Korrekturen verloren gehen würde.
Mein wichtigster Rat: Erst verstehen, dann optimieren, und erst danach digitalisieren.
Dieser einfache Dreischritt schafft Klarheit, reduziert Risiken und sorgt dafür, dass Investitionen nachhaltig wirken.